In Sizilien, der Brücke Europas nach Afrika, sind die unversehrten Spuren einer fernen Vergangenheit noch lebendig und sichtbar – einer Vergangenheit, die allen Völkern des Mittelmeerraums gemeinsam ist und aus dem antiken Griechenland, aus Afrika und dem Nahen Osten stammt.
In Gibellina, in der Provinz Trapani, erforscht die Stiftung Orestiadi diese Spuren in ihrem Museum der mediterranen Texturen, wo Keramiken, Stoffe, Schmuck und Kostüme die Verbindungen zwischen den Kulturen der Völker des Meeres sichtbar machen.

Seit 1981…
Die Orestiadi finden jeden Sommer seit 1981 in Gibellina (TP) statt. Sie wurden vom ehemaligen Bürgermeister und Senator Ludovico Corrao gegründet und die Aufführungen werden im Baglio Di Stefano oder im Cretto di Burri veranstaltet.
Seit 1992 werden die Orestiadi von der Stiftung „Istituto di Alta Cultura Orestiadi“ begleitet, die ihren Sitz in Gibellina hat und zu der auch die Region Sizilien, die Provinz Trapani und die Gemeinde Gibellina gehören. Die Orestiadi sind ein internationales Festival mit Veranstaltungen, die zum Teil selbst produziert werden.
Der Baglio Di Stefano
Heute Sitz der Stiftung Orestiadi und des Museums der mediterranen Texturen, war ursprünglich ein befestigtes Bauernhaus, das Ende des 18. Jahrhunderts vom damaligen Besitzer, dem Baron Di Stefano, errichtet wurde.
Später wurden die Gebäude rund um den großen Innenhof, den sogenannten Baglio, in ein Verwaltungszentrum für das Großgrundbesitzgebiet umgewandelt.

Die Anlage zeichnet sich durch ein Bewässerungssystem mit Terrakotta-Leitungen und einem Wasserreservoir aus.
Der angrenzende Garten ist mit einem Brunnen, Steinsitzen und ausgewählten Pflanzen gestaltet – nicht nur nach einem natürlichen Konzept, sondern auch nach einem kulturellen, inspiriert von esoterischen Symbolen, die seine Anordnung bestimmen.
Eingefasst von niedrigen Mauern und einem dichten Palmenhain, gliederte dieser „Garten der Freuden“ die sonnenverbrannte Landschaft des sizilianischen Hinterlandes und markierte sichtbar die Präsenz von Haus, Wasser und Mensch.

Nach dem Erdbeben von 1968 wurde der Baglio nach den Plänen der Architekten Marcella Aprile, Roberto Collovà und Teresa La Rocca restauriert.
Er stellt heute ein architektonisches Beispiel von außergewöhnlichem künstlerischen und kulturellen Wert dar.

