Escursione Palermo e Monreale

Wir befinden uns im tiefen Mittelalter: An einem Hof und in einer Welt, die dem Wissen offenstand, wurde Rosalia geboren – die Bevorzugte Rogers und die schönste Dame unter jenen, die mit ihrer Anmut den Palast schmückten. Und doch entschied dieses privilegierte Mädchen nicht nur, den Hof zu verlassen und eine prestigeträchtige Ehe abzulehnen, sondern wurde zunächst Basilianerin, stellte sich in den Dienst der Ärmsten und zog sich später als Einsiedlerin zurück, ohne Besitz, nur mit ihrer Kutte, und lebte von dem Wenigen, das ihr Zufluchtsort ihr bot. Ausgangspunkt war diese Entscheidung: nicht ein „Rückzug aus der Welt“, sondern die Ablehnung des Privilegs, um sich um die Demütigen, die Armen und die Besitzlosen zu kümmern – während sie selbst nichts besaß.

Das Leben Rosalias wird in der Kathedrale durch die Sprache des Volksschauspiels erzählt: mit Projektionen und Erscheinungen an der Fassade der Kathedrale, mit beweglichen Bühnen, die die sieben Szenen der Erzählung begleiten, mit sprechenden Stimmen und Musik verschiedener Epochen – von der Geburt Rosalias bis zur Besiegung der Pest.

Ein weiteres Thema: die Frauen, die pflegen, die sich hingeben, die Hüterinnen der Schwächen unserer unvollkommenen Zivilisation.
Es ist daher ein vollständig weibliches Festino: von den Tänzerinnen und Schauspielerinnen bis zu den Frauen, die zum ersten Mal den Auftrag haben, den Wagen tatsächlich zu tragen. Diese Frauen – Unternehmerinnen, Arbeiterinnen, Hausfrauen und Künstlerinnen – tragen den Wagen/Schiff, seit jeher Symbol der immer in Bewegung befindlichen Kirche, durch die Straßen Palermos, mit seiner Bedeutung von Schmerz und Hoffnung und seiner Botschaft im Dienst der Letzten.

Santa Rosalia, oder Rosalia Sinibaldi, ist die Schutzpatronin der Stadt Palermo.
Der Überlieferung nach gehörte sie zur adligen Familie der Sinibaldi und war eine palermitanische Jungfrau des 12. Jahrhunderts. Sie lebte am Hof von König Roger, bevor sie sich als Einsiedlerin in eine Grotte auf dem Monte Pellegrino zurückzog, wo sie starb. Sie rettete die Stadt vor der Pest und wurde ihre Patronin, indem sie Santa Cristina, Santa Oliva, Santa Ninfa und Sant’Agata ablöste. Laut Legende erschien sie einem Jäger im Traum und zeigte ihm, wo er ihre sterblichen Überreste finden konnte, die – in der Stadt in Prozession getragen – die Epidemie zum Stillstand brachten.

Der Festino di Santa Rosalia, ein wahres Schatzkästchen der Traditionen, ist ein Ereignis, das Zehntausende Besucher nach Palermo lockt. Es feiert die Befreiung der Stadt von der Pest im Jahr 1624, nachdem die Reliquien der Santuzza auf dem Monte Pellegrino entdeckt worden waren. Das erste Festino wurde 1625 von Kardinal Giannettino Doria eingeführt und die Feier hat es über Jahrhunderte hinweg geschafft, sich zu erneuern, ohne ihren Charme und ihre Tradition zu verlieren.

In der Nacht zwischen dem 14. und 15. Juli begleiten Tausende Palermitaner den langen Zug des Wagens der Santuzza, der sich von der Kathedrale zum Foro Italico bewegt. Der traditionelle historische Umzug ist eine Mischung aus Folklore und Religion und findet seinen Höhepunkt in den berühmten Feuerwerken, die das Foro Umberto I bis zur Cala taghell erleuchten.

Kulinarische Traditionen
Während der Feierlichkeiten genießt man Gerichte der palermitanischen Volksküche:
Pasta mit Sardinen (pasta chî sardi),
babbaluci (gekochte Schnecken mit Knoblauch und Petersilie),
das sfincione (‘u sfinciuni),
gekochter Oktopus (‘u purpu),
calia e simenza (‘u scacciu),
gekochter Maiskolben (pullanca)
und Wassermelone (‘u muluni).

In Santa Rosalia und ihrem Fest finden die Palermitaner einen Grund und einen Anlass für eine starke kollektive Identität – zusammengefasst im Ruf:
„Viva Palermo e Santa Rosalia!“

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